Von Biggy
Neugierig und genussfreudig.
29/09/2025

Von Biggy
Neugierig und genussfreudig.
29/09/2025
In Rom war der Wein nicht nur ein Tischvergnügen. Er war eine gemeinsame Sprache, vom Tempel bis zur Taverne, vom aristokratischen Bankett bis zum Militärlager. Wenn wir heute gern anstoßen, so haben die Römer eine ganze Welt um die Traube herum aufgebaut.
Der Wein begleitete jeden Moment des römischen Lebens. Zu Hause trank man ihn zu den Mahlzeiten, immer mit Wasser gemischt – reinen Wein zu trinken galt als wild. Im Tempel wurde er als Opfer ausgegossen. Bei Banketten öffnete man die Krüge, wie man heute eine Weinkarte aufschlägt: Jeder Wein erzählte von einer Herkunft, einem sozialen Rang, einer Jahreszeit.
Der Weingott hieß Bacchus (oder Liber). Die berühmten Bacchanalien, überschwängliche Feste, ließen den Senat erzittern – ein Beweis dafür, dass Wein im Übermaß die Ordnung ins Wanken brachte. Die Sitten wandelten sich im Lauf der Jahrhunderte, doch eine Idee blieb: Wein bestimmte den Rhythmus von Gespräch, Lachen und Politik. Ein soziales Getränk im vollsten Sinne.
Die Römer benannten ihre Weine gern nach der Herkunft. Der mythischste? Der Falernische aus Kampanien, kräftig und begehrt. Man sprach auch von Caecuber, Massiker… Die Stile variierten: trocken, süß, oxidativ. Man parfümierte den Wein bisweilen mit Kräutern, Harz oder Gewürzen und süßte ihn mit eingekochtem Most (der berühmten Sapa). Der Apéritif der Stunde? Der Mulsum, mit Honig versetzter Wein, süß und duftend.
Am anderen Ende der Skala stillte die Posca – Wasser plus sauer gewordener Wein – den Durst von Soldaten und Arbeitern: sicher, leicht, praktisch. Zwischen diesen Polen gab es tausend Nuancen, je nach Alter des Weins, seiner Herkunft und der Art des Servierens (man konnte bereits kühlen, ja sogar wärmen – je nach Jahreszeit).
Römischer Wein ist vor allem eine Geschichte von Straßen und Schiffen. Zunächst importierte man aus Griechenland, dann pflanzte man überall: Latium, Kampanien, Gallien, Hispanien. Die Güter lagerten den Wein in großen Tongefäßen (Dolia), bevor sie ihn in Amphoren verschickten. Der Handel brummte in den Häfen; bei jeder Ankunft vibrierte die Stadt wie ein Fischmarkt – nur eben in der Traubenversion.
Dieses Netz hat Landschaften und Gewohnheiten geprägt. Es hinterließ auch eine moderne Einsicht: Die Herkunft zählt – und die Zeit ebenso. Kurz, ein Vorgeschmack auf unsere Herkunftsbezeichnungen.
Lust, ein wenig Antike in Ihr nächstes Dinner zu schmuggeln? Ganz ohne Toga und Latein – hier sind drei einfache Ideen:
Es geht nicht darum, Museum zu spielen, sondern diesen Geist wiederzufinden: gesellig, großzügig, neugierig.
Im antiken Rom hatte der Wein die Rolle eines sozialen Bindemittels, eines kulturellen Markers und eines wirtschaftlichen Motors. Auch heute bewahrt er diese Kraft, Menschen zu vereinen. Denken Sie bei der nächsten Flasche an die unsichtbare Amphore hinter dem Etikett: eine Geschichte von Reise, Teilen und Gespräch. Und lassen Sie den Wein tun, was er am besten kann: alle an einen Tisch bringen.