Von Anne
Winzerin im Wallis.
05/10/2025

Von Anne
Winzerin im Wallis.
05/10/2025
Ein Stück Rinde, das eine Welt versiegelt. Der Korken hat Jahrhunderte überdauert, von antiken Amphoren bis zu den Abendessen von heute, und ist zum kleinen Totem unserer Flaschen geworden. Woher kommt er, warum hat er diesen Platz erobert, und was setzen ihm moderne Alternativen entgegen? Wir entkorken die Geschichte.
Die Griechen und Römer kannten Kork bereits und nutzten ihn, um einige Amphoren zu verschließen. Doch über Jahrhunderte wurde Wein vor allem in Fässern transportiert und anschließend in Karaffen umgefüllt. Der Korken blieb unauffällig, ersetzt durch Holz, Wachs, geöltes Tuch.
Alles ändert sich im 17. Jahrhundert, als die Glasflasche gleichmäßiger und stabiler wird. Man kann endlich dicht verschließen, Aromen bewahren und den Wein reisen lassen. Kork, gewonnen von der mediterranen Korkeiche, setzt sich durch: leicht komprimierbar, dicht, zuverlässig. In der Champagne befestigte man ihn zunächst mit einer Schnur, bevor die Agraffe aufkam. Das „Pop»-Moment stammt von dort und hat unsere Tische nie verlassen.
Seine Stärke liegt in sehr einfachen Eigenschaften, die jeder Liebhaber beim Öffnen einer Flasche spürt.
Im Keller wie am Tisch schafft dieser Nutzungskomfort eine klare Verbindung zwischen Geste und Genuss.
Manchmal riecht der Wein nach nassem Karton, modrig, schimmelig. Das ist der Korkgeschmack, meist verursacht durch ein Molekül namens TCA, das den Kork (oder andere Materialien im Keller) kontaminieren kann. Verbesserte Sortierung und Behandlungen haben das Risiko stark gesenkt, ganz verschwunden ist es nicht. Wenn es passiert, wird nicht diskutiert: Die Flasche wird ersetzt. Das ist frustrierend, aber besser, neu und sauber zu starten.
Heute teilt sich Kork die Bühne mit dem Schraubverschluss sowie technischen oder synthetischen Korken. Kein Dogma: Man wählt je nach Wein und seinem Bestimmungsweg.
Merken Sie sich dies: Es ist keine Frage absoluter Qualität, sondern der Intention. An unseren Hängen nutzen wir alle drei Optionen, je nach gewünschtem Stil.
Wenn Sie eine Flasche lagern möchten, bevorzugen Sie Naturkork und lagern Sie sie liegend, damit der Korken feucht bleibt. Für einen frischen Weißwein, der im Sommer getrunken wird, wirkt ein Schraubverschluss Wunder. Das Wesentliche? Öffnen, riechen, probieren, teilen. Der Verschluss – welcher auch immer – ist nur der Pass. Die Reise ist der Wein.