Von Pierre
Weinliebhaber und -sammler.
31/03/2026

Von Pierre
Weinliebhaber und -sammler.
31/03/2026
Der Nordwesten ist die salzige Brise in der Flasche. Vinho Verde bedeutet nicht „grüner Wein», sondern jung und knackig. Suchen Sie nach den Rebsorten Alvarinho (fülliger, gelbe Früchte) und Loureiro (weiße Blüten, Zitrone). Gut gekühlt serviert ist er der perfekte Partner zu Austern und Ceviche.
Gleich bei Lissabon zeichnet Bucelas schnurgerade, zitronige Weißweine aus Arinto mit dieser jodigen Note, die die Zunge schnalzen lässt. Seltener und kultig: Colares, ein Rotwein aus Ramisco, der im Sand direkt zum Atlantik hin gepflanzt ist. Helle Farbe, straffe Tannine, Duft nach trockenem Kraut: ein eigenständiger, fast meditativer Stil.
Der Dão, das sind Kiefernwälder, Granit und eine zurückhaltende Frische. Die Rotweine verbinden Finesse und Duft: Touriga Nacional für Veilchen und Pflaume, Jaen für den saftig-schwungvollen Zug. Die Weißweine aus Encruzado überraschen: seidige Textur, Noten von Birne und Mandel, ein mundwässerndes Finale. Eines Abends servierte ich einen Dão blind: Alle dachten an einen Bergrotwein … Ganz daneben lag niemand.
Weiter westlich lebt Bairrada im Takt der Baga, einer zähen Rebsorte, die in moderner Hand zum Poeten wurde: polierte Tannine, lebendige Säure, ein spannungsreicher Rotwein, der gegrilltes Schwein liebt. Und wenn man Lust auf Perlen hat, vereinen seine „Espumantes» Geradlinigkeit und Genussfreude.
Ein paar Ideen zum Entdecken, je nach Laune:
Die Grundidee: Eleganz, Frische – und Weine, die mit einer Stunde Luft gewinnen.
Der Alentejo breitet seine goldenen Hügel und großzügigen Rotweine (Alicante Bouschet, Aragonês) aus, doch die neue Welle sucht Trinkfluss: höher gelegene Weinberge, kühlere Lese, straffe Weißweine aus Antão Vaz und Arinto. Nicht verpassen: die Talha-Weine, in Tonamphoren ausgebaut – eine zweitausendjährige Tradition. Seidige Textur, sanfte Gewürze, eine infusionartige Art, die mediterrane Küche neu rahmt.
Die Halbinsel Setúbal ist das Reich des Moscatel de Setúbal: ein Vin Doux Naturel mit Aromen von Orangenschale, schwarzem Tee und Gewürzen. Zu einem Zitrusdessert oder Blauschimmelkäse – ein kleiner Moment der Magie.
Madeira ist die Zeitkapsel: Vom trockenen, straffen Sercial bis zum üppigen Malmsey – diese aufgespriteten Weine leben Jahrzehnte, ohne den Verstand zu verlieren. Ein leicht gekühltes Glas zu einer Fischsuppe oder zu Nüssen? Unschlagbar.
Auf den Azoren, besonders auf der Insel Pico, wächst die Rebe zwischen Mauern aus schwarzer Lava. Die Weißweine aus Arinto dos Açores und Terrantez do Pico knallen wie eine Welle auf den Felsen: Zitrone, Salz, warmer Stein. Ideal zu ganz einfachen, gegrillten Meeresfrüchten.
Als Kompass: Folgen Sie der Frische. Suchen Sie die genannten Rebsorten, jüngere Jahrgänge für die Weißen, etwas Reife für die Roten aus dem Landeszentrum, und wagen Sie die Inseln. Portugal jenseits des Douro ist ein Spielplatz: Man lernt, indem man öffnet, teilt und notiert, was einen berührt. Die nächste große Flasche? Sie wartet vielleicht am Atlantikufer.