Von Biggy
Neugierig und genussfreudig.
16/02/2026

Von Biggy
Neugierig und genussfreudig.
16/02/2026
Das haben wir alle erlebt: ein elegantes Etikett, ein stolzer Preis… und im Glas ist es flach. Gute Nachricht: Die Qualität eines Weins steht nicht auf der Rechnung. Man schmeckt, sieht und riecht sie. Hier ist ein einfacher Kompass, um sicher zu wählen – vom Abendessen mit Freunden bis zur großen Tafel am Donnerstagabend.
Erster Reflex: beobachten Sie. Ein Wein von Qualität ist sauber. Die Robe (die Farbe) sollte klar sein, ohne trüben Schleier und ohne unerwartete Schwebstoffe. Der Farbton erzählt eine Geschichte: Ein goldenerer Weißwein kann reifer sein, ein hellerer Rotwein kann leicht und saftig wirken. Die „Tränen» am Glas? Sie zeigen vor allem den Gehalt an Alkohol und Zucker an, nicht die Qualität. Konzentrieren Sie sich lieber auf den Glanz: Ein brillanter Wein hat oft Energie.
Führen Sie das Glas zur Nase. Ein guter Wein riecht im einfachen Sinne „gut»: klare Früchte, Blumen, Gewürze, nasser Stein – je nach Stil. Vor allem keine anhaltend unangenehmen Gerüche. Wenn Sie unsicher sind, helfen diese Anhaltspunkte.
Komplexität bedeutet nicht „viele Düfte auf einmal», sondern einen Eindruck von Klarheit, der sich nach und nach öffnet. Wenn sich der Wein im Glas entwickelt, ohne zu verschwimmen, ist das vielversprechend.
Am Gaumen: Vergessen Sie die Technik und suchen Sie das Gleichgewicht. Alles soll zusammenspielen: die Frucht, die Frische (dieses Mundwässern), die Tannine bei Rotweinen (wie ein Tee, der die Zunge „zusammenzieht»), der wärmende Alkohol. Nichts darf dominieren.
Denken Sie an die Küche: Ein großes Gericht erschöpft sich nicht in Salz oder Chili. Die Harmonie macht Appetit und weckt die Lust auf den zweiten Schluck.
Ohne über Geld zu sprechen, helfen bestimmte Angaben. Achten Sie auf eine präzise Herkunft (Ort, Lage), den Namen des Winzers, Abfüllung am Weingut. Seien Sie skeptisch gegenüber markigen Versprechen ohne klare Herkunft. Und achten Sie auf den Jahrgang: Eine Jahreszahl auf dem Etikett ermöglicht, die Konstanz eines Erzeugers zu verfolgen.
Probieren Sie schließlich zum richtigen Zeitpunkt. Ein zu kalter Wein verschließt sich, ist er zu warm, wirkt er schwerfällig. Servieren Sie Weißweine kühl, aber nicht eiskalt, Rotweine leicht gekühlt. Ein wenig Luft kann einen schüchternen Wein aufwecken: Zwei Schwünge aus dem Handgelenk oder ein kurzes Karaffieren genügen oft.
Die beste Schule ist der Vergleich. Öffnen Sie zwei Flaschen derselben Rebsorte oder Region und verkosten Sie sie nebeneinander. Notieren Sie drei einfache Wörter: Nase, Textur, Abgang. Kombinieren Sie dazu ein Alltagsgericht: Brathähnchen, Pasta mit Pilzen, Käse. Sie merken schnell, was Sie anspricht.
Im Grunde heißt einen Qualitätswein erkennen: einen Wein erkennen, der vom ersten Duft bis zum letzten Schluck für sich steht. Keine Diplome und kein goldenes Etikett nötig: etwas Aufmerksamkeit, eine Prise Neugier – und der Funke springt über. Fragen Sie beim nächsten Besuch im Weinladen nach einem „ausgewogenen, sauberen Wein mit Länge». Und lassen Sie den Genuss den Rest erledigen.