Kurs nach Osten: Weine, die vibrieren

Weingläser mit Weinen aus Osteuropa, Qvevri und Weinbergen
Pierres Favorit

Von Pierre

Weinliebhaber und -sammler.

12/02/2026

Lange unter dem Radar geblieben, stellt Osteuropa die Uhren wieder auf guten Geschmack. Salzige Weiße, saftig-fruchtige Rote, bernsteinfarbene Weine mit Charakter… Hier erzählen autochthone Rebsorten Jahrhunderte Geschichte – ganz ohne Staub. Wir starten zu einer Expressrunde, Glas in der Hand, um zu wissen, was es zu entdecken gibt – und was man schon heute Abend öffnen kann.

Rebsorten zum Kennenlernen

Drei Namen, die man sich merken sollte, um am Tisch zu glänzen und vor allem zu genießen. Kein Wörterbuch nötig, nur Neugier.

  • Furmint (Ungarn, Slowakei) – Trocken, straff, mitunter rauchig. Apfel, Quitte, eine salzige Spitze. Perfekt zu gegrilltem Fisch, Brathähnchen oder nicht zu scharfer asiatischer Küche.
  • Saperavi (Georgien) – Tiefdunkel, großzügig, schwarze Früchte und Gewürze. Ein Färberwein (sein Fruchtfleisch ist gefärbt), der Lamm und Schmorgerichte liebt. Kurz in die Karaffe, und er entspannt sich.
  • Fetească Neagră (Rumänien, Moldawien) – Schwarzkirsche, Pflaume, getrocknete Kräuter. Geschmeidiger, charmanter Stil, ideal zu einer schönen Aufschnittplatte oder einem Gemüsegratin.

Wer mit diesen drei beginnt, hat den Fuß schon fest in der Kellertür des Ostens.

Zwischenstopps, die man nicht verpassen sollte

Einige Regionen, in die man sich nach zwei Schlucken verliebt – mit Landschaften, die sofort Lust machen, ein Ticket zu buchen.

  • Slowenien (Brda, Vipava) – Grüne Hänge, Adria-Brise. Rebula (Ribolla) für geradlinige Weiße, teils mazeriert (bernsteinfarbener Ton, leichte Tannine), und Refosk (Refošk) für knackige Rote.
  • Ungarn (Tokaj, Szekszárd, Eger) – Tokaj in trockener Furmint-Version: präzise, energiegeladen. In Szekszárd und Eger zarter, würziger Kadarka mit gefährlicher Trinkigkeit.
  • Georgien (Kachetien) – Die berühmten Qvevri, große eingegrabene Amphoren. Bernsteinfarbene Weiße aus Rkatsiteli und Rote aus Saperavi. Uralte Tradition, moderner Kick.
  • Kroatien (Istrien, Dalmatien) – In Istrien salzige, frische Malvazija, perfekt, wenn Meer auf dem Teller liegt. In Dalmatien sonniger, großzügiger Plavac Mali (denken Sie an Kräuter, Feige, warme Felsen).
  • Rumänien & Bulgarien (Dealu Mare, Thrakien) – Seidige Fetească Neagră auf rumänischer Seite, dunklerer, muskulöser Mavrud auf bulgarischer. Zwei Sichtweisen auf charakterstarken Rotwein.

Überall dasselbe Gefühl: identitätsstarke Weine, standfest – und dennoch sehr zugänglich.

Was heute Abend servieren ?

Brauchen Sie konkrete Ideen für ein garantiert stimmiges Abendessen ? Hier ein Mini-Flüssigmenü.

  • Ein trockener Tokaj aus Furmint zum Auftakt: lebhaft, klar, er weckt die Geschmacksknospen zu einem Saisonsalat oder Frischkäse.
  • Ein Malvazija aus Istrien: weißer Pfirsich, Mandel, salziges Finale. Perfekt zu Pasta mit Meeresfrüchten.
  • Ein Kadarka aus Eger: heller, würziger Rotwein, sehr bekömmlich. Leicht gekühlt zu Grillhähnchen oder hausgemachter Pizza.
  • Ein georgischer Saperavi: dichter, für Lammbraten oder ein Auberginengericht. Karaffe empfohlen.
  • Lust auf Wagnis? Ein bernsteinfarbener slowenischer Weißwein (kurze Mazeration): sanfte Textur, ideal zu Hartkäse.

Es geht nicht darum, erst zu „verstehen»: Probieren, beobachten, was Ihnen gefällt, wiederholen.

Klug kaufen, besser trinken

Ein paar einfache Reflexe für treffsichere Wahl.

  • Suchen Sie nach lokalen Rebsorten: Furmint, Rebula, Kadarka, Saperavi, Fetească… Dort entsteht die Magie.
  • Setzen Sie auf Frische: junge Jahrgänge für leichte Stile; kräftige Rote etwas länger reifen lassen.
  • Lesen Sie die Etiketten: „Mazeration» oder „Qvevri»? Rechnen Sie mit mehr Textur und milden Gewürznoten, nicht mit einem süßen Wein.
  • Servieren Sie leichte Rote (Kadarka, Refosk) etwas kühler als üblich: Die Trinkigkeit explodiert.

Und wenn möglich, sprechen Sie mit Ihrem Weinhändler: Er übersetzt Ihre Vorlieben in Kurs Ost.

Fazit? Osteuropa ist eine Schatzkiste, die nur auf den Korkenzieher wartet. Starten Sie einfach – ein trockener Furmint, eine jodige Malvazija – und lassen Sie sich dann von einem Saperavi oder einem bernsteinfarbenen Weißwein überraschen. Ihr bester Guide bleibt die Neugier. Danach reden wir weiter – bei der nächsten Flasche.

Häufige Fragen zu Weinen aus Osteuropa

Welche Rebsorten sollte man zum Einstieg vorrangig entdecken ?
Beginnen Sie mit Furmint (trockener, salziger Weißwein), Saperavi (tiefer, würziger Rotwein), Kadarka (heller, gut trinkbarer Rotwein) und Malvazija aus Istrien (frischer, jodiger Weißwein). Sie bieten ein Schnellpanorama der typischen Stile der Region.
Was ist ein bernsteinfarbener Wein und was bedeutet « Qvevri » ?
Ein bernsteinfarbener Wein ist ein Weißwein, der mit Schalenmazeration vergoren wird – daher seine Farbe und die Tannintextur. Qvevri sind große, in der Erde vergrabene georgische Amphoren, die für Gärung und Ausbau genutzt werden und Struktur, milde Gewürznoten und reine Frucht bringen.
Welche Speise-Wein-Kombinationen funktionieren am besten ?
Trockener Furmint zu Fisch, Geflügel und leichter asiatischer Küche; Malvazija zu Meeresfrüchten; Kadarka leicht gekühlt mit Pizza, Charcuterie oder Grillhähnchen; karaffierter Saperavi zu Lamm, Schmorgerichten und Auberginen. Bernsteinfarbene Weine passen gut zu Hartkäse.
Wie serviert man diese Weine richtig (Temperatur und Karaffieren) ?
Leichte Rote (Kadarka, Refosk) leicht gekühlt bei etwa 14-15 °C servieren. Trockene Weiße bei 9-11 °C. Saperavi 30-60 Minuten karaffieren, um ihn zu zähmen, und bernsteinfarbene Weine etwas früher öffnen, damit sich ihre Textur entfaltet.