Weit weg vom Duo Chardonnay-Sauvignon gibt es eine Konstellation weißer Weine, die auf der Zunge knacken und die Tafel aufwecken. Auf Weinkarten begegnet man ihnen selten, doch es lohnt sich, sie ins Licht zu holen. Eine kleine Tour durch unbekannte Weißweine, die mehr Aufmerksamkeit – und Ihr Glas – verdienen.
Frische aus den Bergen
Wenn der Weinberg in die Höhe klettert, gewinnt Weißwein an Biss, Reinheit und Präzision. Zwei Rebsorten, die auf Ihrem Radar sein sollten, für Abende mit Pep, ohne auf Tiefe zu verzichten.
Timorasso (Piemont, Italien) – Breit gebaut, aber lebhaft. Reife Zitrusfrüchte, Mandel, ein Hauch trockener Honig. Großartig zu Pilzrisotto oder geröstetem Geflügel.
Altesse/Roussette (Savoyen, Frankreich) – Floral, feuchter Stein, alpine Eleganz. Denken Sie an Fische aus dem See, geschmolzene Käsegerichte oder Sushi.
Diese Weißen beweisen, dass Frische nicht Dünnheit bedeutet: Sie haben Substanz und Standfestigkeit am Tisch.
Inseln, Vulkane und salzige Winde
Stellen Sie sich einen Balkon mit Meerblick vor, eine jodige Brise, eine Zitrone, die über gegrillten Fisch gepresst wird. Hier zwei Weine für Meeresfrüchte und sonnige Küchen.
Assyrtiko (Santorin, Griechenland) – Trocken wie ein Kiesel, zitronig, salzig. Geradlinig, putzt den Gaumen frei. Perfekt zu Austern, Oktopus, Ceviche.
Listán Blanco (Kanarische Inseln, Spanien) – Aus vulkanischen Böden. Zitruszeste, feiner Rauch, energiegeladene Textur. Aufmachen zu Ofenfisch oder gegrilltem Gemüse.
Zwei Stile, ein gemeinsamer Punkt: das Gefühl, ins Meer gebissen zu haben.
Frankreich, diskrete Schätze
Man glaubt, unsere Weißen zu kennen. Dann stößt man auf Flaschen, die Käse – und Fisch – wieder zum Lächeln bringen.
Romorantin (Cour-Cheverny, Loire) – Straff, bissig, mit Noten von Apfel und Quitte. Großartig zu frischem Ziegenkäse, sahnigen Geflügelgerichten, rustikalen Pasteten.
Muscadet (Melon de Bourgogne, Loire-Atlantique) – Zitrone, Jod, klare Frische. Wenn er „sur lie» ausgebaut wurde (auf der Hefe), gewinnt er an Rundung. Ideal zu Meeresfrüchten.
Zwei unterschiedliche Stile, ein gemeinsamer Vorteil: Sie lassen dem Gericht Raum, ohne es zu überfahren.
Andere Horizonte, neue Texturen
Hier geht es um Energie und Substanz. Weiße, die Gerichten Paroli bieten – ohne Schwere.
Trockener Furmint (Ungarn) – Bekannt für Süßweine, als Trockenwein brillant: grüner Apfel, feine Kräuter, langes Finale. Zu Fisch in Sauce oder leicht würziger Küche.
Ribolla Gialla (Friaul/Slowenien) – Zitruszeste, Kräuter, bisweilen eine leichte „Schalenmazeration», die Körnung und Profil bringt. Hervorragend zu geröstetem Gemüse, Dim Sum, Tempura.
Wenn Sie Weine mögen, die ebenso über Textur wie über Aromen sprechen, sind Sie hier richtig.
Wie anfangen, ohne sich zu verirren
Bitten Sie Ihren Weinhändler um einen „salzigen» Weißen für Meeresfrüchte, einen „Bergwein» für Fondue oder Geflügel und einen „texturierten» für gemischte Küchen. Servieren Sie sie nicht zu kalt, bei etwa 10-12 °C, in einem etwas größeren Glas; manche profitieren sogar von der Karaffe.
Im Grunde verhilft man ihnen am besten zu der Anerkennung, die sie verdienen, indem man sie öffnet. Wählen Sie ein Thema – Meer, Berge, Textur -, stellen Sie zwei oder drei Flaschen nebeneinander und lassen Sie das Gespräch den Rest erledigen. Unbekannte Weiße brauchen nur das: ein Abendessen, Freunde und etwas Neugier.
Häufige Fragen zu unbekannten Weißweinen
Welche Rebsorten sollte ich als Einstieg zuerst entdecken?
Starten Sie mit einem kontrastreichen Duo: Assyrtiko (jodig, schneidig) und Timorasso (voll, energiegeladen). Fügen Sie einen Romorantin für die bissige Loire hinzu, dann einen trockenen Furmint für die Länge. Danach können Sie Altesse, Listán Blanco, Muscadet sur lie und Ribolla Gialla erkunden.
Welche Speise-Wein-Kombinationen passen am besten zu diesen Weißen?
Assyrtiko: Austern, Ceviche. Listán Blanco: Ofenfisch, gegrilltes Gemüse. Timorasso: Brathähnchen, Pilzrisotto. Altesse: Fische aus dem See, geschmolzene Käsegerichte. Romorantin: frischer Ziegenkäse, sahnige Geflügelgerichte. Muscadet: Meeresfrüchte. Trockener Furmint: Fisch in Sauce, milde Gewürze. Ribolla Gialla: Dim Sum, Tempura, geröstetes Gemüse.
Bei welcher Temperatur sollte man diese Weine servieren?
Zielen Sie für die meisten auf 10-12 °C. Die schneidigeren (Assyrtiko, Muscadet) vertragen 9-10 °C, während die texturierteren (Timorasso, trockener Furmint, Ribolla) sich bei etwa 12 °C entfalten. Verwenden Sie ein leicht bauchiges Glas, um Textur und Salinität zu zeigen.
Sollte man diese unbekannten Weißweine karaffieren?
Ein leichtes Karaffieren (15-30 Min) tut Timorasso, trockenem Furmint und manchen Ribolla Gialla oft gut (vor allem bei Schalenmazeration). Einen sehr jungen Muscadet nicht länger als ein paar Minuten karaffieren. Bei gereiften Jahrgängen lieber im Glas atmen lassen.
Wo findet man sie und mit welchem Budget ist zu rechnen?
Bei spezialisierten Weinhändlern, neugierigen Weinbars und guten Online-Shops. Richtwerte: Muscadet und Romorantin 10-20 €, Altesse und Ribolla 15-30 €, trockener Furmint 15-35 €, Assyrtiko 20-45 €, Timorasso 25-60 €, Listán Blanco 25-50 € – je nach Weingut und Lage.