Erster Weinkeller: der Genuss-Guide

Auswahl für den Start eines heimischen Weinkellers
Biggy’s Favorit

Von Biggy

Neugierig und genussfreudig.

22/01/2026

Einen Keller anzulegen ist ein bisschen wie die erste Playlist zusammenzustellen: Man will treffsichere Klassiker, überraschende Entdeckungen und ein paar Stücke, die mit der Zeit an Tiefe gewinnen. Hier ist eine einfache Route, ohne Jargon und Snobismus, um mit Flaschen zu starten, die Lust aufs Öffnen machen… und aufs Warten.

Rotweine: die Basis ohne Fehlgriff

Bei Rotweinen suchen Sie die Balance zwischen Frucht, Struktur und sofortigem Trinkvergnügen. Einige Stile, die man ab jetzt griffbereit haben sollte.

  • Beaujolais-Crus (Morgon, Fleurie, Brouilly): saftig, gourmand, perfekt zu einer Platte zum Teilen. Jung trinken, halten sich aber schön zwei bis fünf Jahre.
  • Loire Cabernet Franc (Chinon, Saumur-Champigny): Noten von roten Früchten und mildem Paprika, ideal zu gebratenem Geflügel. Reift gut und bleibt dabei bekömmlich.
  • Nördliche Rhône (Crozes-Hermitage, Saint-Joseph): feinpfeffrige Syrah, ernsthafter ohne streng zu sein. Perfekt für elegante Grillgerichte.
  • Bordeaux rechtes Ufer, „mehrheitlich Merlot»: rund, komfortabel, für Abende, an denen man zusammenkommen will, ohne zwei Stunden zu fachsimpeln.
  • Italien Barbera (Piemont) oder Spanien Rioja: zwei tadellose Tischweine, mit Charme und Länge, sehr vielseitig.

Mit diesem Quintett haben Sie Trinkfertiges und zugleich Vorrat für die nächsten Jahre.

Weißweine: Frische, Charakter und Freude am Tisch

Ein ausgewogener Keller kommt nicht ohne Weißweine aus. Sie beleben den Aperitif, bändigen ein würziges Gericht und erfrischen ein Geschäftsessen.

  • Loire-Sauvignon (Sancerre, Pouilly-Fumé, Menetou-Salon): lebhaft, zitrusbetont, perfekt zu Ziegenkäse, Austern oder Sashimi.
  • Burgundischer Chardonnay (Mâconnais, Chablis): in Chablis geradlinig und salzig, im Mâconnais runder. Ein Duo für Buttersaucen ebenso wie für gegrillten Fisch.
  • Elsässer Riesling: trocken, präzise, mit Zug und Länge. Top zu asiatischer Küche oder zu choucroute de la mer (Elsässer Sauerkraut mit Fisch).
  • Muscadet (auf der Hefe): jodig, klar, der ideale Begleiter zu Schalentieren und langen Apéros.

Halten Sie immer einen lebhaften und einen fülligeren Weißwein bereit: zwei Trumpfkarten für die Woche.

Schaumweine und Rosés: die Flaschen mit Sofortlächeln

Für kleine wie große Anlässe wirken ein Schaumwein und ein gut gewählter Rosé Wunder.

  • Crémant (Loire, Burgund, Jura, Elsass): feine Perlage, klarer Stil, eine glänzende Alternative zu den berühmteren großen Blasen.
  • Rosé aus der Provence: leicht, trocken, perfekt zu Salaten, Tapenaden, mediterraner Küche.
  • Tavel oder Bandol Rosé: farbintensiver, gastronomischer, zu hellem Fleisch oder einer Bouillabaisse.

Ein, zwei Flaschen gut gekühlt zu haben, ist die Garantie, dass Plan B zu Plan A wird.

Bedienungsanleitung: organisieren, lagern, genießen

Ein guter Start, das sind auch ein paar einfache Routinen.

  • Kaufen Sie paarweise: eine zum Trinken, eine zum Wiederprobieren in 2-3 Jahren. Man lernt durch Vergleich.
  • Notieren Sie Ihre Eindrücke: Jahrgang, Kontext, Begleitung. Ihr Verkostungsgedächtnis wird es Ihnen danken.
  • Variieren Sie Regionen und Rebsorten: wie in der Küche beugt Vielfalt der Monotonie vor.
  • Lagern Sie in Ruhe: kühl, dunkel, Flaschen liegend. Keine Heizkörper, keine Sonne.

Es geht nicht ums Anhäufen, sondern um Rotation. Ein lebendiger Keller ist ein Keller, der geöffnet wird.

Kurz: Starten Sie mit zugänglichen, aber seriösen Roten, knackigen Weißen, etwas Schaumwein und einem charaktervollen Rosé. Wählen Sie Weine, die etwas Einfaches erzählen: eine Landschaft, ein Essen, einen Moment. Der Rest kommt ganz natürlich, im Lauf der Begegnungen und mit gezogenen Korken. Gute Reise – und vor allem: zum Wohl.

Häufige Fragen zum ersten Weinkeller

Welche Weine sollte man als Einsteiger für den Start eines Weinkellers kaufen ?
Setzen Sie auf bewährte, einander ergänzende Werte: Beaujolais-Crus, Loire-Cabernet-Franc, Syrah von der nördlichen Rhône, ein weicher Bordeaux mit Merlot, Barbera oder Rioja; bei den Weißen Loire-Sauvignon, burgundischer Chardonnay, Elsässer Riesling, Muscadet; dazu ein Crémant und einen Rosé aus der Provence oder einen Tavel.
Wie viele Flaschen braucht man für den ersten Keller ?
Peilen Sie zum Start 18 bis 36 Flaschen an: 8-12 Rotweine, 6-10 Weißweine, 2-4 Schaumweine, 2-4 Rosés. Kaufen Sie paarweise zum Vergleich über die Zeit und rotieren Sie regelmäßig nach Ihren Mahlzeiten und Einladungen.
Wie lagert man Wein ohne unterirdischen Keller ?
Wählen Sie einen kühlen Ort (stabile 12-18 °C), dunkel, ohne Vibrationen, mit moderater Luftfeuchtigkeit. Flaschen mit Korken liegend lagern, Küche und Heizkörper vermeiden. Ein kleiner Weinkühlschrank oder ein nach Norden gelegener Innenschrank funktioniert bestens.
Welche Rotweine jung trinken und welche lagern ?
Jung trinken: Beaujolais-Crus, Barbera, einige junge Riojas. Lagern 3-7 Jahre je nach Cuvée: Chinon/Saumur-Champigny, Crozes-Hermitage/Saint-Joseph, weicher Merlot-Bordeaux, Riojas Crianza/Reserva. Achten Sie auf Jahrgang und Stil: mehr Struktur = bessere Lagerfähigkeit.
Welche Weißweine für den Aperitif und für den Tisch wählen ?
Aperitif: lebhafter Loire-Sauvignon, Muscadet sur lie, Crémant. Tisch: Chablis für Jodigkeit und Buttersaucen, runderer Mâconnais-Chardonnay, trockener Riesling für würzige Gerichte oder eine choucroute de la mer.
Bei welcher Temperatur und in welcher Position die Flaschen lagern ?
Ideal: konstant 12 °C, tolerierbar 12-18 °C, wenn stabil. Flaschen mit Korken liegend, mit Schraubverschluss stehend. Direkte Sonne und starke Schwankungen vermeiden; eine aufgewirbelte Flasche 24 Std. vor dem Servieren ruhen lassen.