Von Greg
Liebhaber guter Weine und Kuriositäten.
15/01/2026

Von Greg
Liebhaber guter Weine und Kuriositäten.
15/01/2026
Argentinien steht im Rampenlicht. Einverstanden. Aber was, wenn wir den Malbec kurz beiseiteschieben, um den Rest des Kontinents zu erkunden? Vom Pazifik bis zu den Anden wimmelt Südamerika von charaktervollen Weinen, bei uns teils unbekannt, am Tisch oft köstlich. Hier eine schnelle, einfache und vor allem genussvolle Postkarte.
In Chile denkt man oft an die Carmenère. Gut. Doch vor allem findet man dort Weine mit schöner Frische. An der Küste formen kühle Brisen straffe Weißweine: Sauvignons aus Casablanca und Leyda, zitronig, jodig, perfekt zu Ceviche oder gegrillten Sardinen. Weiter südlich erwecken Itata und Maule alte Rebsorten: der País (leicht, saftig, gekühlt zu servieren) und der Carignan (fleischiger, voller Energie). Geradlinige Weine, die nach Staub der Wege und einem Korb roter Früchte duften.
Darauf achten, wenn Sie beim Weinhändler stöbern:
Die Idee: Einfachheit, reine Frucht, ein Hauch Meer, der Lust auf den zweiten Schluck macht.
Hier ist die Königstraube der Tannat. Man stellt sie sich hart vor. Überraschung: Die Winde des Atlantiks zähmen ihn. Ergebnis: tiefgründige, aber geschmeidige Rote, saftig, mit feinen Noten von Kakao und Pflaume. Hervorragend zu Rinderkotelett oder Empanadas. Und verpassen Sie nicht die weiße Welle: der Albariño von der Küste, knackig, salzig, der den Tisch auf Meeresfrüchte einstimmt. Canelones und Maldonado stehen oft für gradlinige, präzise Flaschen ohne Schnickschnack.
Zwei Stile zum Probieren: ein Tannat „joven» (zuerst Frucht, weiche Tannine) und ein strukturierterer Tannat (für den Sonntag, 30 Minuten karaffiert). Der eine verführt, der andere beeindruckt.
Brasilien lässt die Perlen tanzen. In der Serra Gaúcha zeigen sich brasilianische Schaumweine klar und knackig: ein Hauch kandierte Zitrone, frischer Apfel, eine feine Perlage, die ein Lächeln zaubert. Perfekt zum Aperitif, zum Sushi am Freitag oder zu einer Käseplatte. In kühleren Zonen findet man außerdem geradlinige Chardonnays und geschmeidige Merlots. Vergessen Sie tropische Klischees: Hier führt die Frische den Tanz an.
Serviertipp: sehr kühl, aber nicht eiskalt, damit Frucht und Brioche-Noten zur Geltung kommen.
In Bolivien klettert man sehr hoch: Tarija und die Täler von Cinti bauen Wein in großer Höhe an. Sonnige Tage, kühle Nächte: Das ergibt aromatische Weißweine (Torrontés, muskatig, aber klar) und leichte, bekömmliche Rote, perfekt am Tisch. Das ist ungewohnt und wirklich charmant – wie ein Spaziergang über den Obstmarkt nach dem Regen.
In Peru erzeugt die Oase Ica, zwischen Wüste und Ozean, knackige Weißweine und geschmeidige Rote mit milden Gewürznoten. Weißweine lieben Ceviche und Austern; die Roten einen Lomo Saltado. Es sind Sonnenweine, die dennoch Spannung behalten.
Zum Erkunden an die Landschaft denken: Küste = Frische, Höhe = Spannung, sonnige Ebenen = reife Frucht. Karaffieren Sie einen jungen Tannat, servieren Sie Rotweine etwas kühler als üblich, und haben Sie Spaß daran, Küste und Berge am selben Tisch zu vergleichen. Der beste Führer bleibt Ihr Glas: Wenn es leer wird, sind Sie auf dem richtigen Weg.