Von Natacha
Bio-Winzerin in Umstellung.
11/01/2026

Von Natacha
Bio-Winzerin in Umstellung.
11/01/2026
Sie öffnen eine Flasche, schenken ein… und Überraschung : Der Wein ist leicht trüb, oder eine feine Perle kitzelt die Zunge. Muss man sich Sorgen machen ? Nicht unbedingt. In vielen Fällen ist das normal – und manchmal sogar gewollt. Hier erfahren Sie, warum, und wie man es ohne Fehlgriff genießt.
Ein Wein, der « klar wie Wasser » ist, wurde oft filtriert und geklärt, um Schwebstoffe zu entfernen. Greift man weniger ein, kann ein leichter Schleier bleiben : Hefen, Feinhefe, mikroskopisch kleine Traubenbestandteile. Nichts Schlimmes. Im Keller lasse ich meine Weine oft lieber in Ruhe, statt sie bis aufs Äußerste zu « polieren ». Das Ergebnis : ein natürlicheres Erscheinungsbild, manchmal auch ein fülligeres Mundgefühl.
Eine weitere Quelle für Trübung : das Depot. Mit der Zeit setzen sich Tannine und Farbstoffe am Boden ab. Das ist normal, besonders bei Rotweinen. Man trifft auch auf Kristalle am Flaschenboden oder am Korken : Das sind Weinstein-Kristalle, harmlos und hübsch wie Eiskristalle.
Kurz gesagt, ein leicht trüber Wein ist kein Anzeichen für einen Fehler. Oft ist es eine Stilentscheidung, die Substanz und Geschmack einer perfekt glänzenden Optik vorzieht.
Die feine Perle in einem « Stillwein » stammt meist vom natürlichen CO₂ der Gärung, das bewusst für die Frische erhalten wurde oder weil früh abgefüllt wurde. Dieses CO₂ wirkt wie ein Schutzpolster gegen Sauerstoff. Manchmal kann in der Flasche eine Zweitgärung einsetzen, wenn noch etwas Zucker und Hefen vorhanden sind – selten, aber es kommt vor, besonders wenn die Flasche zu warm geworden ist.
Nicht zu verwechseln mit einem Schaumwein : Hier sprechen wir von einem leichten Perlen, einer feinen Spitze, wie das Kribbeln eines sehr sanften Mineralwassers. Bei einem trockenen Weißwein oder Rosé kann das einen Frischekick geben. Beim Rotwein entscheidet man glasweise : Wer die Lebendigkeit mag, behält sie; wer mehr Geschmeidigkeit bevorzugt, lässt sie entweichen.
Bei einem trüben Wein stellen Sie die Flasche vor dem Öffnen kühl und aufrecht. Gießen Sie vorsichtig ein und vermeiden Sie den letzten Zentimeter, wenn Sie ein klares Glas möchten. Bei reichlichem Depot kann eine Karaffe helfen, ohne zu forcieren.
Für einen leicht perlenden Wein, den Sie runder möchten, zwei einfache Tricks :
Umgekehrt, wenn Sie die Spannung mögen, servieren Sie kühler und in einem nicht zu breiten Glas, um die feine Perle zu bewahren.
Wenn die Flasche beim Öffnen « herausschießt », die Perlage bei einem eigentlich stillen Wein stark ist und anhaltend unangenehme Gerüche auftreten, liegt vielleicht eine unerwünschte Nachgärung vor. In diesem Fall sprechen Sie mit Ihrer Weinhändlerin/Ihrem Weinhändler. Ansonsten gilt : Das Auge ist irritiert, die Nase sauber, der Gaumen gut ? Dann ist alles in Ordnung.
Fazit: Trübung oder leichte Perlage erzählen oft von einem « lebendigeren », weniger geschönten Wein. Wenn Sie kristallklare Präzision lieben, wählen Sie filtrierte und stabilisierte Cuvées. Wenn Sie Überraschungen mögen, entdecken Sie unfiltrierte Weine oder ursprüngliche Perlen (méthode ancestrale). Wichtig ist nicht der perfekte Spiegel im Glas, sondern der Genuss am Tisch. Und dort sind Sie der beste Richter.