Von Natacha
Bio-Winzerin in Umstellung.
09/01/2026

Von Natacha
Bio-Winzerin in Umstellung.
09/01/2026
Nach der Gärung sinken die Hefen wie leichter Schnee auf den Boden des Tanks. Das nennt man Hefesatz. Es gibt die grobe Hefe, die man rasch entfernt, weil sie schwere Noten bringt, und die feine, kostbare Feinhefe, die man behält. Darauf ruht der Wein, nährt sich sanft davon und gewinnt an Persönlichkeit – ganz ohne Kunstgriffe.
Konkret setzen die Hefen Verbindungen frei, die den Wein vor Oxidation schützen und ihm Stoffigkeit verleihen. Es ist ein bisschen wie eine Suppe sanft köcheln zu lassen : Je schonender und gleichmäßiger, desto harmonischer.
Ein auf der Hefe ausgebauter Wein gewinnt oft an Textur. Am Gaumen zeigt sich das als Seidigkeit, elegante Dichte, der Eindruck von Creme ohne Schwere. Bei den Aromen lassen sich frisches Brot, Briochenoten und mitunter ein Hauch Haselnuss oder Keks wahrnehmen, besonders bei Weißweinen. Weine können außerdem salziger, schmackhafter wirken – das berühmte „da schenkt man sich unbemerkt noch ein Glas nach».
Bei Rotweinen macht der Ausbau auf der Hefe die Tannine geschmeidiger und rundet die Ecken. Die Frucht bleibt, doch die Textur schmeichelt feiner. Subtil – aber beim Abendessen spürt man es sofort.
Muss man den Wein aufrühren ? Manchmal. Das nennt man Bâtonnage : Mit einem Stab werden die Hefen ganz behutsam in Schwebe gebracht. Es geht nicht ums „Muskeltraining», sondern darum, dem Wein zu mehr Schmelz und Zusammenhalt zu verhelfen. Je nach Jahrgang macht man das oft, selten oder gar nicht. Manche Cuvées bevorzugen die Stille.
Achtung, der Ausbau auf der Hefe erfordert Sorgfalt. Zu viel, und der Wein kann verschlossen wirken, mit einem Streichholzton in der Nase. Zu wenig, und er bleibt mager. Das Gleichgewicht erschmeckt man Woche für Woche im Halbdunkel des Kellers.
Wählen Sie einen Wein auf der Hefe, wenn Sie Komfort suchen, ohne Frische zu verlieren. Einige hilfreiche Hinweise auf dem Etikett und am Tisch :
Im Restaurant oder beim Weinhändler: Fragen Sie ruhig nach einer Cuvée „ausgebaut auf der Hefe» – für einen volleren Weißwein oder einen geschmeidigeren Rotwein.
Fazit? Die Magie der Hefe ist die Kunst des Maßes. Den Wein auf seinem Hefebett atmen zu lassen heißt, ihm Zeit und eine Extraportion Seele zu geben. Testen Sie im Doppelglas: einen lebhaften „klassischen» Wein und denselben Stil auf der Hefe. Probieren, etwas wärmer werden lassen, wieder kosten. Der Wein erzählt dann eine andere Geschichte – tiefer, taktiler – und oft genau die, die man am Tisch teilen möchte.